Hatschi

Jul. 2nd, 2022 09:51 pm
luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen
Team: Mittelerde
Challenge: h/c - Eine Krankheit/Verletzung verbergen (für mich)
Fandom: Original - Nocturne Whispers, Harepocalypse Now-AU (Masterpost)
Charaktere: Chikara, Nicole, Liam, Paolo
Wörter: ~1000
Widmung: Wie immer [livejournal.com profile] alea

Spielt irgendwann nach Chikaras Einzug bei Yann, Nina und dem Rest.

Kein fließendes Wasser bedeutete auch, dass sie keine funktionierende Heizung hatten. Als der Herbst voranschritt, störte das noch nicht allzu sehr, der Zustand des Hotels, in dem sie sich einquartiert hatten, änderte nichts an der Tatsache, dass es vor dem Weltuntergang weit außerhalb dessen gelegen hatte, was Chikara sich leisten konnte. Es gab mehr als genug Textilien aller Art die entweder in den übrigen Zimmern oder einfach in Lagerräumen darauf warteten, dass sich jemand ihrer annahm.
Und auch wenn einige Decken nicht besonders gut durch die letzten Monate gekommen waren, es fanden sich mehr als genug ohne Schimmelbefall. Chikara hatte nach der ersten durchgefrorenen Nacht zwar darauf bestanden, dass die anderen sich ihretwegen keine Mühe machen sollten, etwas Moder war gerade nun wirklich das kleinere Übel, aber Nina hatte die Diskussion im Keim erstickt. “Schimmel ist ungesund, genau wie Frieren. Du gibst dich nicht mit dem Erstbesten zufrieden, wenn ich es verhindern kann.”
Damit war das geklärt und auch wenn klar war, dass bald eine Lösung her musste, hatte bisher noch keiner eine zündende Idee gehabt, die über Lagerfeuer hinausging. Was auch eine dumme Idee war. Noch war es nicht akut, aber es war klar, dass der Winter mit großen Schritten näher rückte. Liam hatte schon laut überlegt, wie sie Weihnachten verbringen würden. Als ob solche Dinge jetzt wichtig waren.
Dabei war ihr auch bewusst, dass es genau das war. Ihr Studium war schon lange vorbei aber das dort Gelernte saß nach wie vor. Vor allem die plausiblen Dinge. Rituale waren wichtig. Gerade die, die Hoffnung und einer dunklen Zeit spendeten. Daher hatte sie seinen Vorschlag unterstützt, irgendetwas auf die Beine zu stellen. Mit der Betonung, dass sie sich später um die Details kümmern würden. Wie feierte man Weihnachten, wenn die Welt wie man sie kannte, untergegangen war?
“Man könnte meinen, dass sie die Infrastruktur inzwischen besser hinbekommen haben…”, murrte Nicole an diesem Abend, während sie ihre Fingernägel lackierte (wo hatte sie bitteschön diesen glitzernden roten Nagellack her?) und dabei darauf achtete, Abstand zu Chikara zu halten. Oder sie anzusehen.
In letzter Zeit tauchte sie öfter hier auf und die anderen schienen sich zu freuen, sie zu sehen. Ein Gefühl, dass Chikara nicht teilte, aber sie hielt den Mund. Streng genommen war Nicole vor ihr hiergewesen und durch sie verdrängt worden. Wenn es sie ärgerte, ließ die Vampirin es sie aber nicht spüren. Nicht deutlich jedenfalls. Zwar wurde Chikara das Gefühl nicht los, dass Nicole glücklicher wäre, wäre sie nicht wieder auf der Bildfläche aufgetaucht.
“Wir sind keine Priorität”, meinte Paolo schulterzuckend. “Immerhin ist das Krankenhaus wieder versorgt. Es tut dem Netz nicht gut, wenn es so lange nicht genutzt wird. Viele Leitungen sind verstopft, gerade beim Abwasser.”
Nicoles Blick war eine Mischung aus “Wer hat dich gefragt” und “Denkst du, das weiß ich nicht?”
“Ich glaube, wir alle wünschen uns, dass es schneller gehen würde”, mischte Chikara sich ein, halb in der Hoffnung, eine sinnlose Debatte zu verhindern. Sie hatte schlecht geschlafen und Kopfschmerzen und keine Lust darauf. Der Tee, den sie mit Hilfe eines Campingkochers, den Lewis aufgetrieben hatte, aufgebrüht hatte, half wenigstens, das Kratzen in ihrem Hals zu lindern. Nach Vorbild des New Yorker-Hauptquartiers der Wächter hatte Chikara es übernommen, die Dachterasse zu einem improvisierten Garten umzufunktionieren. Es war ihr Glück, dass Pfefferminze, Kamille und auch Brennnessel nur schwer wirklich totzukriegen waren und außerdem essbar waren. Oder eben trinkbar. Über so etwas hatten sich ihre vampirischen Mitbewohner natürlich keine Gedanken machen müssen, Hobbykoch Paolo hatte aber auch gleich irgendwoher noch anderes Zeug organisiert, das man für die Küche brauchen konnte. Alles hatten in irgendwelche Töpfe oder Kisten gepflanzt, damit sie es reinholen konnten, wenn es zu kalt wurde. Die ersten Pflanzen waren schon umgezogen und sonnten sich hinter den Scheiben der obersten Zimmer. Dort würden sie vor der Winterkälte auch nur bedingt geschützt bleiben aber wenigstens kam weder Sturm noch Schnee oder Hagel an sie heran.
Als Nicole sie ansah, senkte Chikara schnell den Blick auf ihre Tasse. Vielleicht hätte sie den Tee etwas stärker machen können aber sie hatte auch nichts verschwenden wollen. Das Pochen hinter ihrer Stirn wurde für einen Moment stärker. Hoffentlich legte sich das schnell wieder, das letzte was sie jetzt brauchte, war eine Erkältung.
Gut möglich, dass Nicole etwas zu ihrem ungefragten Einwurf zu sagen hatte. Wenn, sprach sie es nicht aus.
“Wo ist eigentlich Yann?”, fragte Chikara, bevor die Vampirin es sich doch noch anders überlegen konnte. Etwas zu bereitwillig antwortete Liam: “Er wollte etwas besorgen. Ich wollte ja eigentlich mitkommen, damit er nicht übers Ohr gehauen wird… Aber Nina hatte andere Pläne.” Er klang nur ein bisschen beleidigt über diesen Umstand. Das erklärte aber auch Ninas Abwesenheit. Nicht, dass diese ihnen irgendeine Rechenschaft schuldig wäre.
“Und was?” Die Frage kam von Nicole. Selbst an der Antwort interessiert hob Chikara den Kopf, um Liam anzusehen, der grinste. “Ne Überraschung.”
Nicoles Blick verriet deutlich, was sie von dieser Erklärung hielt. In der Erwartung, dass es die allgemeine schlechte Laune jetzt eskalierte, wollte Chikara noch etwas sagen, heraus kam aber nur ein heftiger Nieser.
“Gesundheit”, reagierte Paolo als erstes, der sie jetzt auch aufmerksam musterte. “Alles okay? Du bist ziemlich blass…”
“Ja, geht schon. Etwas müde.” Mit Schlaf war es in einem nachtaktiven Haus natürlich generell so eine Sache. Vor allem wenn man selbst am besten dafür geeignet war, sich um alles zu kümmern, was bei Tageslicht erledigt werden musste. Die Pflanzen zum Beispiel. Bisher war Chikara gut damit zurechtgekommen aber da war sie ja auch fit gewesen.
“Sicher?” Die Frage kam von Liam und für einen Moment war Chikara sich sicher, dass er sie durchschaute. Als sie nickte, stellte er sie aber nicht in Frage, sondern meinte: “Du verpasst wohl nichts, wenn du dich ein paar Stunden aufs Ohr haust.”
Bot er ihr gerade einen Ausweg? Wenn nicht, kam es so nah dran, dass Chikara die Gelegenheit nicht ungenutzt verstreichen lassen konnte. “Das ist wohl das Beste. Bis später.” Sie warf einen kurzen Blick in die kleine Runde und erhob sich. Ganz, ganz kurz schien der Untergrund ein wenig zu schwanken, aber da sie ihren Tee nicht verschüttete, stand sie wohl stabil genug. Ihre Tasse vielleicht etwas fester umklammernd als nötig gewesen wäre, ging sie in ihr Zimmer.

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