Schlaflos

Aug. 6th, 2023 03:49 pm
luinaldawen: (Default)
[personal profile] luinaldawen
Team: D.A.V.E.
Challenge: h/c - Schlaflosigkeit (für mich)
Fandom: Nocturne Whispers (Harepocalypse Now-AU)
Charaktere: Chikara, Nina, Duchesse
Wörter: 916
Für: [livejournal.com profile] alea, wen sonst bei diesem Setting? XD



Seit einer Woche war der Strom wieder da. Richtig da und nicht nur für die wichtigsten Institutionen wie Krankenhäuser, Verwaltung und allen Stellen die es brauchten um eine vernünftige Grundversorgung wiederherzustellen. Das Wasser war stellenweise noch ein Problem, viele Leitungen waren so lange nicht in Nutzung gewesen, das wirklich keiner das trinken sollte, was da am Anfang herauskam. Da aber auch jedem mit ein bisschen Verstand klar war, dass man dringend daran arbeiten musste, nicht noch mehr Menschen an Durchfallerkrankungen und ähnlichem zu verlieren, waren schnell erste Verteilstellen eingerichtet wurden, während man langsam aber sicher dafür sorgte, dass die bewohnten Gebiete wieder mit Trinkwasser versorgt wurden, nachdem die Wasserwerke wieder in Gang gebracht waren.
Noch war es hier nicht so weit, aber es konnte nicht mehr lange dauern und Chikara sehnte sich nach der ersten richtigen Dusche seit… wie lange auch immer. Oder ein Bad. Ein heißes Bad wäre schön.
Langsam, sehr langsam endete die zur Normalität gewordene Ausnahmesituation. Immer noch gab es Berichte über aggressive Langohren aber sie wurden weniger. Das Heilmittel schien zu funktionieren, auch wenn noch niemand der Sache wirklich trauen wollte. Trotzdem war der letzte Hase, den sie im Park gesehen hatte, friedlich gewesen. Hatte sie angesehen als witterte er ihren rasenden Puls, ihr Denken von einer einzigen Frage beherrscht. Würde er sie angreifen? Musste sie ihn töten? Sie wusste, dass die meisten die Langohren nach wie vor ohne Ausnahme erschossen oder erschlugen. Aber Chikara brachte es nicht über sich. Das Tier war krank gewesen. Eine veränderte Form von Tollwut, hieß es inzwischen. Verbreitet von Ökoterroristen.
Gerüchte oder die Wahrheit? Vermutlich würden sie es niemals erfahren.
Spielte es noch eine Rolle? Ziemlich sicher nicht.
Beschäftigte es die Leute? Auf jeden Fall.
Dabei sollte doch die Gegenwart wichtiger sein oder nicht? Das war einfacher gesagt als getan. Wenn sie wach war, klappte es auch ganz gut. Immer noch gab es reichlich zu tun. Für persönliche Befindlichkeiten war wenig Zeit, sie waren nach wie vor zu wenige für die nötigen Aufgaben. Freizeit war nach wie vor ein Luxus. Zeit, um sich mit dem zu beschäftigen, was passiert war.
Chikara hatte heute ihre alte Wohnung besucht und noch ein paar Dinge geholt. Inzwischen wusste sie, dass ihr Vater tot war, zweifellos den Lagos zum Opfer gefallen. Und ihre Mutter? Bisher gab es keine Spur, mit jedem Tag sank die Hoffnung aber etwas weiter. Die Überlebenden wussten, wohin sie sich wenden mussten, um ihre Liebsten zu finden. Oder einfach nur irgendjemanden den sie kannten.
Die Seide der Furisode fühlte sich kühl unter ihren Fingern an. Sie wusste selbst nicht, warum sie das schwere und unpraktische Kleidungsstück mitgenommen hatte. Vielleicht weil es eine der wenigen Erinnerungen an ihre Familie war, die ihr geblieben waren. Neben ein paar Fotos aus besseren Zeiten. Aktuelle Bilder hatte sie keine mehr, sie hatte sie zusammen mit ihrem Smartphone verloren. Fluch der Digitalisierung.
Sie sollte nicht hier herumsitzen, sondern schlafen. Aber so müde sie auch war, sie fand keine Ruhe. Immer wenn sie die Augen schloss, kamen die Alpträume. Wenn sie wach war und erst recht, wenn sie schlief.
Ein Schnurren riss sie aus ihren Grübeleien. Eine der Katzen war unbemerkt nähergekommen und blinzelte träge zu ihr auf, als Chikara sich nach ihr umsah. Die konnte gerade noch rechtzeitig den Kimono zur Seite legen, bevor ihr Schoß von Duchesse belegt wurde. Immer noch schnurrend. “Ich bin gerade keine gute Gesellschaft”, murmelte sie und bekam nur ein Gähnen. Vermutlich interessierte die Katze gerade nur, dass sie streicheln konnte, jetzt wo beide Hände frei waren. Also tat Chikara genau das. Wie lange sie einfach so da saß und eine zweite Katze auf Duchesse herauszustreicheln, wusste sie gar nicht. Inzwischen schnurrte ebendiese Katze laut genug um von allen Bewohnern des Hotels gehört zu werden.
Mindestens eine folgte dem Geräusch auch. “Dafür, dass sie mir als Rattenjägerin angepriesen wurde, ist sie ziemlich faul”, hörte Chikara Ninas Stimme. Das Lächeln in ihrer Stimme passte nicht zu den tadelnden Worten und Duchesse drehte sich auf den Rücken, die momentan weichen Pfötchen wurden ihr fast noch einladender entgegengestreckt als der flauschige Bauch. Aber Chikara wusste es besser, als Duchesse dort anzufassen. Das ging vielleicht eine oder zwei Minuten gut und dann hatte sie Krallen im Unterarm. Den Fehler würde sie nicht wiederholen.
“Dafür ist sie eine hervorragende Therapeutin.” Bernsteinfarbene Augen öffneten sich einen Spalt breit und sahen sie an, nur um sich wenige Sekunden später wieder zu schließen. Eine neue Drehung und es war wieder sicher, das weiche Fell zu streicheln.
“Sieht so aus, nicht wahr?” Nina fragte nicht ‘Wie geht es dir?’ Das musste sie auch nicht.
“Ich hatte noch Glück. So viele sind ganz allein… was gibt mir das Recht, mich… so zu fühlen?” Erschöpft. Ausgebrannt. Müde, ohne schlafen zu können. Voller Angst vor Alpträumen, die ihr nichts tun konnten.
“So geht es vielen. Mir auch.” Die Schritte der Vampirin waren trotz ihrer Masse leicht, aber die Matratze des Bettes sank merklich ein. “Ich frage mich, was ich hätte anders machen können. Besser.”
“Du hast getan, was du konntest”, flüsterte Chikara, “Du hast mich gesucht und gefunden obwohl die Chancen gering waren.” Duchesse gähnte wieder, stand auf und zog auf Ninas Schoß um, die murmelte: “Du verteilst deine Haare jetzt also bei mir, hm?”
“Ich glaube nicht, dass sie noch welche übrig hat, die sie verlieren kann.”
“Hoffentlich.” Trotz der Worte begann Nina die weiße Katze zu streicheln. Nach einer Weile nahm Chikara ihren Mut zusammen und fragte: “Wie fühlt es sich an, ein Vampir zu werden?”
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