Team: D.A.V.E.
Challenge: h/c - Isolation (für mich)
Wörter: 1016
Fandom: Sound of Metal
Für: Die wundervolle
alea
Stille.
Um ihn herum erwachte Paris, Radfahrer fuhren zu schnell über die Wege, Autofahrer stauten sich auf den Straßen, Fußgänger eilten mehr oder weniger gestresst zu ihrem Ziel.
Er nahm es zur Kenntnis. Mehr nicht.
Alles was er wirklich wahrnahm, war die Stille. Vorhin noch hatte er die scheppernde Glocke einer Kirche gehört, jetzt nicht mehr. Er hatte den Krach nicht mehr ertragen.
Vielleicht hatte er zu viel erwartet. Dabei war er gewarnt worden. Die Töne würden anders klingen aber er hatte es abgetan. Wie viel anders könnte es schon sein? Es ging darum, wieder zu hören, da spielte es doch keine Rolle.
Tat es doch.
Vielleicht war es anderen egal, vielleicht konnten andere mit den veränderten Tönen leben aber für ihn klang es einfach nur falsch. Selbst die Musik kreischte nur noch in seinen Ohren.
Dabei war das doch der Hauptgrund gewesen, warum er alles aufgegeben hatte, um sich die Implantate leisten zu können. Am Ende hatte er sogar mehr aufgegeben, als er für möglich gehalten hatte. Er hatte die Musik zurückbekommen wollen. Nur um festzustellen, dass sie immer noch fort war.
Nein, nicht fort. Falsch. Er war sich nicht sicher, was schlimmer war.
Ruben schloss die Augen und die Welt verschwand. Dunkelheit, Stille und seine Gedanken. War es das, was Joe ihm hatte beibringen wollen? Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Schon ironisch, dass er hier Stille fand, mitten in Paris, mitten im morgendlichen Chaos.
Jemand tippte ihn an und er sah sich um, nur um in Lous Gesicht zu sehen. Ihr Mund bewegte sich und schnell deutete er auf das Implantat. Lou hatte schon immer den Durchblick gehabt, sie nickte und setzte sich zu ihm. Wartete.
Wie lange, wusste er nicht, sie vermutlich auch nicht.
Spielte es eine Rolle?
Nein. Nicht wirklich.
Als er das Implantat wieder einschaltete, kehrte die Welt laut scheppernd zurück und für einen Moment sehnte er sich nach der Stille zurück. “Joe wollte, dass ich mit der Stille leben lerne”, begann Ruben, ohne Lou anzusehen. Sie würde ihm zuhören. Weil es ihre Art war. Weil sie immer ein offenes Ohr für ihn hatte.
Und er für sie, so merkwürdig die Phrase in seinem Fall auch klingen mochte.
“Hat mich morgens zum Schreiben verdonnert aber… ich weiß nicht. Kam damit nicht klar. Später gings, aber irgendwie…” Er brach ab. Würde sie ihn verstehen? Oder nur so tun? Dabei kannten sie einander schon lange, waren füreinander dagewesen als sie ganz unten gewesen waren. Hatten einander gerettet. Er lehnte sich vor, stützte die Unterarme auf seine Beine und sein Blick flackerte über die Umgebung. Die Bäume, die Häuser, die Menschen. Sie waren eindeutig da, trotzdem fühlte er sich entrückt. Alles klang falsch.
Lous Hand, die sich auf seine legte dagegen war richtig. Selbst ihre Stimme schaffte es, richtig zu klingen obwohl sie falsch war. “Du wolltest unbedingt die Implantate.”
“Natürlich wollte ich sie. Ich wollte mein altes Leben zurück.” Und wieder zu ihr. Als er Lou ansah, brachte er die Worte aber nicht über die Lippen. War es fair, ihr das anzutun? Es ging ihr gut und er konnte ihr nichts mehr bieten. “Und dafür habe ich es verkauft. Den Bus, mein Schlagzeug… alles.” Schnell fügte er hinzu: “Ich zahle dir deinen Anteil zurück! Sobald ich das Geld habe.” Im Moment konnte er froh sein, wenn er sein Flugticket zurück in die USA bezahlen konnte.
“Mach dir deswegen keine Gedanken. Ich will, dass es dir gut geht…” Ihr Blick war so herzzereißend offen, dass er gar nicht anders konnte, als sie in die Arme zu schließen. Sie würde immer eine der zentralen Personen in seinem Leben sein. “Ich bin froh, dass es dir gut geht”, murmelte er. Für einen Moment atmete er ihren Geruch ein, dann ließ er sie wieder los und räusperte sich. “Ich bin nicht gut mit diesem Gefühlskram…”
Jetzt lächelte sie. “Oh, du bist viel besser darin geworden. Und ich glaube, ich weiß, was du sagen willst.” Sie legte eine kurze Pause ein, als müsse sie erstmal sortieren. “Wir haben uns verändert. Vielleicht… war es wichtig, dass wir unsere eigenen Wege gehen, um uns zu finden. Jetzt müssen wir nur herausfinden, was wir nun füreinander sind.”
“Ich will dich nicht verlieren!”, platzte Ruben heraus, bevor er die Worte in sich verschließen konnte, wie so viele vorher. Mit einem halb amüsierten Kopfschütteln strich Lou über seine Wange. “Das wirst du nicht. Wir werden einander nie verlieren. Aber ich glaube, wir sind noch nicht am Ende unserer Wege. Joes Weg war nicht deiner. Mein Weg ist nicht deiner. Dein Weg ist nicht meiner. Aber wir können uns trotzdem dabei unterstützen, denkst du nicht?”
Ja, Worte waren schon immer Lous Stärke gewesen. Ruben konnte nur zustimmend nicken. Ein Knoten, von dem er nicht gewusst hatte, dass er da war, begann sich zu lösen.
“Was hast du jetzt vor?” Die Frage war vollkommen berechtigt, vor allem wenn man bedachte, dass er mit seinen wenigen übrigen Habseligkeiten die Kurve gekratzt hatte.
“Ich bin nicht sicher. Joe hat mit einen Job angeboten, aber er war gegen das Implantat, kann sein dass er mich so nicht mehr will.” Es stach, das auszusprechen. Er hatte Vertrauen zu dem Veteranen gefasst und von ihm zurückgewiesen zu werden, hatte mehr geschmerzt als er wahrhaben wollte.
“Du könntest erstmal hierbleiben. Ich habe recherchiert, es gibt in Paris auch Anlaufstellen für Gehörlose, vielleicht kannst du da aushelfen?”
“Dann muss ich ja zwei Sprachen lernen.” Die Worte kamen halb lachend. Mit Englisch und der Amerikanischen Gebärdensprache würde er hier nicht weit kommen. Dabei war die Aussicht, hierzubleiben reizvoll. Eine Alternative zu… was auch immer zu haben.
“Bleib einfach solange bei uns, bis du weißt, wie es weitergeht. Vielleicht kannst du Joe ja auch anrufen.”
Der Unterton war blechern in seinen Ohren aber deutlich vorhanden. ‘Geh nicht zurück bevor du weißt du du hinkannst. Lass mich nicht im Ungewissen.’ Sie hatte ja Recht. Natürlich hatte sie Recht.
“Okay.”
“Bringst du mir Zeichensprache bei?”
“Klar.”
“Und ich schaue, wie viel Französisch ich in deinen Kopf kriege.” Sie lachte, als sie das sagte. Und auch wenn es falsch klang, bei ihr klang es richtig.
Challenge: h/c - Isolation (für mich)
Wörter: 1016
Fandom: Sound of Metal
Für: Die wundervolle
Stille.
Um ihn herum erwachte Paris, Radfahrer fuhren zu schnell über die Wege, Autofahrer stauten sich auf den Straßen, Fußgänger eilten mehr oder weniger gestresst zu ihrem Ziel.
Er nahm es zur Kenntnis. Mehr nicht.
Alles was er wirklich wahrnahm, war die Stille. Vorhin noch hatte er die scheppernde Glocke einer Kirche gehört, jetzt nicht mehr. Er hatte den Krach nicht mehr ertragen.
Vielleicht hatte er zu viel erwartet. Dabei war er gewarnt worden. Die Töne würden anders klingen aber er hatte es abgetan. Wie viel anders könnte es schon sein? Es ging darum, wieder zu hören, da spielte es doch keine Rolle.
Tat es doch.
Vielleicht war es anderen egal, vielleicht konnten andere mit den veränderten Tönen leben aber für ihn klang es einfach nur falsch. Selbst die Musik kreischte nur noch in seinen Ohren.
Dabei war das doch der Hauptgrund gewesen, warum er alles aufgegeben hatte, um sich die Implantate leisten zu können. Am Ende hatte er sogar mehr aufgegeben, als er für möglich gehalten hatte. Er hatte die Musik zurückbekommen wollen. Nur um festzustellen, dass sie immer noch fort war.
Nein, nicht fort. Falsch. Er war sich nicht sicher, was schlimmer war.
Ruben schloss die Augen und die Welt verschwand. Dunkelheit, Stille und seine Gedanken. War es das, was Joe ihm hatte beibringen wollen? Seine Lippen verzogen sich zu einem Lächeln. Schon ironisch, dass er hier Stille fand, mitten in Paris, mitten im morgendlichen Chaos.
Jemand tippte ihn an und er sah sich um, nur um in Lous Gesicht zu sehen. Ihr Mund bewegte sich und schnell deutete er auf das Implantat. Lou hatte schon immer den Durchblick gehabt, sie nickte und setzte sich zu ihm. Wartete.
Wie lange, wusste er nicht, sie vermutlich auch nicht.
Spielte es eine Rolle?
Nein. Nicht wirklich.
Als er das Implantat wieder einschaltete, kehrte die Welt laut scheppernd zurück und für einen Moment sehnte er sich nach der Stille zurück. “Joe wollte, dass ich mit der Stille leben lerne”, begann Ruben, ohne Lou anzusehen. Sie würde ihm zuhören. Weil es ihre Art war. Weil sie immer ein offenes Ohr für ihn hatte.
Und er für sie, so merkwürdig die Phrase in seinem Fall auch klingen mochte.
“Hat mich morgens zum Schreiben verdonnert aber… ich weiß nicht. Kam damit nicht klar. Später gings, aber irgendwie…” Er brach ab. Würde sie ihn verstehen? Oder nur so tun? Dabei kannten sie einander schon lange, waren füreinander dagewesen als sie ganz unten gewesen waren. Hatten einander gerettet. Er lehnte sich vor, stützte die Unterarme auf seine Beine und sein Blick flackerte über die Umgebung. Die Bäume, die Häuser, die Menschen. Sie waren eindeutig da, trotzdem fühlte er sich entrückt. Alles klang falsch.
Lous Hand, die sich auf seine legte dagegen war richtig. Selbst ihre Stimme schaffte es, richtig zu klingen obwohl sie falsch war. “Du wolltest unbedingt die Implantate.”
“Natürlich wollte ich sie. Ich wollte mein altes Leben zurück.” Und wieder zu ihr. Als er Lou ansah, brachte er die Worte aber nicht über die Lippen. War es fair, ihr das anzutun? Es ging ihr gut und er konnte ihr nichts mehr bieten. “Und dafür habe ich es verkauft. Den Bus, mein Schlagzeug… alles.” Schnell fügte er hinzu: “Ich zahle dir deinen Anteil zurück! Sobald ich das Geld habe.” Im Moment konnte er froh sein, wenn er sein Flugticket zurück in die USA bezahlen konnte.
“Mach dir deswegen keine Gedanken. Ich will, dass es dir gut geht…” Ihr Blick war so herzzereißend offen, dass er gar nicht anders konnte, als sie in die Arme zu schließen. Sie würde immer eine der zentralen Personen in seinem Leben sein. “Ich bin froh, dass es dir gut geht”, murmelte er. Für einen Moment atmete er ihren Geruch ein, dann ließ er sie wieder los und räusperte sich. “Ich bin nicht gut mit diesem Gefühlskram…”
Jetzt lächelte sie. “Oh, du bist viel besser darin geworden. Und ich glaube, ich weiß, was du sagen willst.” Sie legte eine kurze Pause ein, als müsse sie erstmal sortieren. “Wir haben uns verändert. Vielleicht… war es wichtig, dass wir unsere eigenen Wege gehen, um uns zu finden. Jetzt müssen wir nur herausfinden, was wir nun füreinander sind.”
“Ich will dich nicht verlieren!”, platzte Ruben heraus, bevor er die Worte in sich verschließen konnte, wie so viele vorher. Mit einem halb amüsierten Kopfschütteln strich Lou über seine Wange. “Das wirst du nicht. Wir werden einander nie verlieren. Aber ich glaube, wir sind noch nicht am Ende unserer Wege. Joes Weg war nicht deiner. Mein Weg ist nicht deiner. Dein Weg ist nicht meiner. Aber wir können uns trotzdem dabei unterstützen, denkst du nicht?”
Ja, Worte waren schon immer Lous Stärke gewesen. Ruben konnte nur zustimmend nicken. Ein Knoten, von dem er nicht gewusst hatte, dass er da war, begann sich zu lösen.
“Was hast du jetzt vor?” Die Frage war vollkommen berechtigt, vor allem wenn man bedachte, dass er mit seinen wenigen übrigen Habseligkeiten die Kurve gekratzt hatte.
“Ich bin nicht sicher. Joe hat mit einen Job angeboten, aber er war gegen das Implantat, kann sein dass er mich so nicht mehr will.” Es stach, das auszusprechen. Er hatte Vertrauen zu dem Veteranen gefasst und von ihm zurückgewiesen zu werden, hatte mehr geschmerzt als er wahrhaben wollte.
“Du könntest erstmal hierbleiben. Ich habe recherchiert, es gibt in Paris auch Anlaufstellen für Gehörlose, vielleicht kannst du da aushelfen?”
“Dann muss ich ja zwei Sprachen lernen.” Die Worte kamen halb lachend. Mit Englisch und der Amerikanischen Gebärdensprache würde er hier nicht weit kommen. Dabei war die Aussicht, hierzubleiben reizvoll. Eine Alternative zu… was auch immer zu haben.
“Bleib einfach solange bei uns, bis du weißt, wie es weitergeht. Vielleicht kannst du Joe ja auch anrufen.”
Der Unterton war blechern in seinen Ohren aber deutlich vorhanden. ‘Geh nicht zurück bevor du weißt du du hinkannst. Lass mich nicht im Ungewissen.’ Sie hatte ja Recht. Natürlich hatte sie Recht.
“Okay.”
“Bringst du mir Zeichensprache bei?”
“Klar.”
“Und ich schaue, wie viel Französisch ich in deinen Kopf kriege.” Sie lachte, als sie das sagte. Und auch wenn es falsch klang, bei ihr klang es richtig.
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Date: 2023-07-01 02:10 pm (UTC)